Praxis Dr. Urbach

Praxis für Allgemeinmedizin
Chirotherapie - Akupunktur - Sportmedizin

HÄPPI Praxis Dr. Urbach

Der Startschuss ist gefallen: Seit 1. Oktober 2025 sind die ersten Hausarztpraxen in Baden-Württemberg HÄPPI. Damit ist die hausärztliche Versorgungslandschaft um ein innovatives Konzept reicher. In Ravensburg hat die Praxis Dr. Urbach alle Voraussetzungen geschaffen, um als hausärztliches Primärversorgungszentrum Patientenversorgung im interprofessionellen Team zu leisten.

Dr. Rian Urbach arbeitet mit seiner PA Hand in Hand.

Das Praxisteam: qualifiziert und akademisiert

Interview mit dem Hausärztinnen- und Hausärzteverband Baden-Würrtemberg

Es ist Montagmorgen, in der Hausarztpraxis Dr. Urbach in Ravensburg herrscht Hochbetrieb. Mitten im gut strukturierten Trubel: Physician Assistant (PA) Vanessa Hirt. Durch ihr Studium hat sie die notwendigen Kompetenzen erworben, um verantwortungsvolle Aufgaben in der Patientenversorgung zu übernehmen – und genau das tut sie seit Anfang Oktober 2025 in der Hausarztpraxis Dr. Urbach. An diesem Tag unterstützt sie ihren Chef Dr. Rian Urbach in der Akutsprechstunde.

Interprofessionelle Versorgung

Bisher lag die Akutsprechstunde ausschließlich bei den ärztlichen Kollegen. Das soll sich nun grundlegend ändern: Das Ziel der Praxis in Ravensburg ist es, dass nichtärztliche akademisierte Gesundheitsberufler wie Vanessa die Krankheitsfälle „filtern“ und unkomplizierte Behandlungsanlässe wie Harnwegsinfekte, Rückenschmerzen oder einen grippalen Infekt übernehmen – immer unter der Prämisse, dass ein ärztlicher Kollege hinzugezogen werden kann. „Durch diese Aufgabenteilung kann sich das ärztliche Team gezielt auf Patienten mit komplexeren Erkrankungen konzentrieren“, so Rian.

Zur Sprechstunde geht’s per Selbst-Check-in

Vanessas erster Patient, ein sichtlich angeschlagener Handwerker Mitte 30, betritt die Praxis wie alle Patienten der Akutsprechstunde durch einen separaten Eingang. Eine Anmeldung und einen Wartebereich gibt es in diesem Teil der Praxis aus Gründen des Infektionsschutzes nicht. Stattdessen nutzt der Mann zwischen zwei Hustenattacken ein Check-in-Terminal, um dann direkt ins Behandlungszimmer zu gehen. Dort wird er von Vanessa bereits erwartet. Im Nebenraum, nur durch eine Scheibe getrennt, telefoniert ihr Chef gerade mit einer Patientin, um die Ergebnisse ihrer Blutuntersuchung zu besprechen. Vanessa stellt währenddessen Nachfragen zum Gesundheitszustand ihres Patienten, misst Fieber, kontrolliert den Blutdruck und hört die Lunge ab. Den Befund gibt sie über ein Tablet in das Praxisverwaltungssystem ein – und hat darüber auch den direkten Draht zum Ärzteteam. „Bei unklaren Fällen kann ich jederzeit Rücksprache halten – das gibt Sicherheit, auch für die Patienten. Außerdem prüft der ärztliche Kollege die Therapievorschläge und gibt die Diagnose sowie die Verordnung verschreibungspflichtiger Medikamente frei“, erklärt die PA.

HÄPPI ist ein zukunftsorientiertes, berufsübergreifendes Versorgungsangebot, welches sich durch die kontinuierliche, kooperative und versorgungssteuernde hausärztliche Koordination der umfassenden Grundversorgung auszeichnet. Ein zentraler Gedanke dabei: Statt immer neue Anlaufstellen für Patientinnen und Patienten zu schaffen, wird in einer HÄPPI-Praxis die Verantwortung unter dem Dach der Hausarztpraxis gebündelt.  

Unter der Verantwortung und Leitung der Hausärztinnen und Hausärzte übernimmt ein Team, bestehend aus akademisierten und nicht-akademisierten Fachkräften, zusätzliche Aufgaben in der Patientenversorgung. Hausärztinnen und Hausärzte können sich so stärker auf die Fälle konzentrieren, bei denen ihre ärztliche Kompetenz zwingend erforderlich ist.  

Durch die Möglichkeit, das Versorgungskonzept HÄPPI auf bereits existierende Strukturen und Verträge aufzusetzen, wird einer Versorgungszersplitterung entgegengewirkt.

Digitalisierung entlastet

Ein Team aus medizinischen Fachangestellten managt routiniert den Empfang. Patient:innen werden begrüßt, elektronische Gesundheitskarten eingelesen und ganz nebenbei läuft auch die digitale Rezeption auf Hochtouren: 70 Prozent der Sprechstundentermine werden inzwischen online vergeben. Ein Termintelefon gibt es dennoch – die KI-gesteuerte Telefonsoftware filtert und verschriftlicht die Mehrzahl der Anliegen. Dazu gehören Rezeptbestellungen, Überweisungsanfragen oder auch Laborrückfragen. „Das meiste davon kann mit zwei Klicks erledigt werden“, sagt Praxismanagerin Natalie Obholz. Dass Digitalisierung menschliche Ressourcen freisetzt, zeigt sich in der Praxis inzwischen deutlich: „Früher waren fünf Kolleginnen am Telefon eingebunden, inzwischen genügt eine“, so Dr. Rian Urbach.
v. l. n. r.: Dr. med. Rian Urbach, Dr. med. Rainer Urbach, Dr. Kai-Hendrik Urbach

HZV als Teil des Erfolgsrezepts

Aktuell führt der 34-Jährige Dr. Rian Urbach die Praxis als Berufsausübungsgemeinschaft mit seinem Vater Dr. Rainer Urbach. Seit Jahresbeginn ist auch Dr. Kai-Hendrik Urbach, der bisher als Internist in der Schweiz arbeitete, in das Familienunternehmen eingestiegen, um es in zweiter Generation mit seinem Bruder Rian weiterzuführen. Wichtiger Bestandteil des Erfolgsrezepts ist die Hausarztzentrierte Versorgung. „Mein Vater war unter den Pionieren der HZV, das Thema lief aber lange unter dem Radar. Seit eineinhalb Jahren schreiben wir nun sehr aktiv ein und konnten die Zahl unserer HZV-Patient:innen vervielfachen. Der Anteil liegt inzwischen bei rund 80 Prozent.“

Vom HZV- zum HÄPPI-Pionier

Wie schon sein Vater ist auch Rian Urbach ein Pionier: Mit der Entscheidung, HÄPPI-Praxis zu werden, gehört er zu den ersten Hausärzt:innen in Baden-Württemberg, die das Konzept im Praxisalltag leben. Digitalisierung und der Einsatz nichtärztlicher akademischer Gesundheitsberufe sind zwei wesentliche Aspekte, die auf das übergeordnete Ziel einzahlen: Mehr Patient:innen zu versorgen. Neben dem demografischen Wandel sind es auch ökonomische Gründe, die das Team antreiben: „Angesichts steigender Kosten müssen wir unsere Effizienz steigern, um wirtschaftlich zu arbeiten. Die Strukturen im HÄPPI schaffen hierfür ideale Voraussetzungen.“

Umfrage spricht für HÄPPI

Dass die Bevölkerung die Versorgung im interprofessionellen Praxisteam, wie sie im HÄPPI gelebt wird, mitträgt, zeigt eine repräsentative Civey-Umfrage, die im September 2025 im Auftrag des Hausärzt:innen und Hausärzteverbands durchgeführt wurde. Von den 5.000 befragten Bundesbürger:innen gaben 70 Prozent an, dass sie bereit wären, einfache Anliegen wie zum Beispiel eine Erkältung nicht von einem Hausarzt oder einer Hausärztin, sondern von einer akademisierten Fachkraft betreuen zu lassen – sofern bei Bedarf ein Arzt oder eine Ärztin hinzugezogen werden kann.

HÄPPI-Checkliste

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Alles Wissenswerte rund um das HÄPPI-Konzept finden Sie auf der Website der HÄVBW